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(E-Mail: wird nur unregelmäßig gelesen. Patientenbezogene Anfragen bitte nur telefonisch über die Praxis unter 0621-417541.
Eine offizielle Email-Adresse gibt es leider nicht mehr, da automatisierter Mißbrauch damit getrieben wurde, ggf. in extrem wichtigen Fällen siehe unter Impressum)

 

 

 

Hörstörungen

 

Hier einige der wichtigsten Hörstörungen:

So genau will ich's gar nicht wissen, was kann ich tun bis ich beim Arzt bin?

Folgende Ursachen verursachen Hörstörungen. Um herauszufinden welche Erkrankung im Einzelfalle vorliegt, sollte eine HNO-fachärztliche Untersuchung erfolgen.

Durch Selbstreinigungsversuche des Ohres oder Wassereinwirkung bildet der Ohrenschmalz, der sonst langsam nach außen aus dem Gehörgang "fließt" einen Pfropfen und erzeugt Druckgefühl und Hörminderung.

Mittels Mikro-Instrumenten oder Warm-Wasserspülung muß dieser dann entfernt werden, gelegentlich etwas unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Ohrenschmalz  verursacht oft eine plötzliche Hörminderung, meist nach (verbotener!) Manipulation mit Ohrstäbchen oder ähnlichen "Schmalzstopfern". Oft quillt durch Wassereintritt der meist seit Monaten verfestigte Ohrenschmalz auf und verlegt den Gehörgang völlig.

Gehör plötzlich weg, warum?

Man hört noch recht gut mit einem minimalem Restdurchgang für den Schall, aber fast nichts mehr, wenn dieser durch o. g. Ursachen auch noch verschlossen wird. Gelegentlich nimmt man ein dumpfes Rauschen wahr und hört seine eigene Stimme besser auf dem betroffenen Ohr.
Schmerzen selbst bestehen meist nicht, werden aber bei Belassung des Problems unweigerlich auftreten. Oft tritt dann die weiter unten genannte Gehörgangsentzündung auf.

  • Gehörgangsentzündung

Durch Ohrenschmalz, Verletzung, aber auch durch Ekzeme können die Schwellungen im Gehörgang diesen verlegen und die gleichen Symptome wie ein Ohrenschmalzpfropfen erzeugen. Meist nicht am Anfang der Entzündung sondern erst im fortgeschrittenen Verlauf. Meist mit starken Schmerzen verbunden. Tip: Um diese Ohrenschmerzen von einer Mittelohrentzündung zu unterscheiden drücken Sie auf den kleinen Hautlappen vor dem Gehörgang. Ist dies schmerzhaft, so handelt es sich meist um eine Gehörgangsentzündung. Bei einer Mittelohrentzündung würde dies normalerweise keine Zunahme der Schmerzen verursachen. Bei Schmerzen sofort den Arzt aufsuchen.

  • Tubenkatarrh

Durch eine Belüftungsstörung des luftgefüllten Mittelohres können Änderung des äußeren Luftdruckes nicht ausgeglichen werden. Darüber hinaus wird die Luft aus dem Mittelohr bei hermetischem Luftabschluß durch das Blut abtransportiert. Es entsteht unweigerlich ein zunehmender Unterdruck. Bis zu einem erfolgreichen Druckausgleich wird dieses Ohr "zugefallen" sein. Ein sehr häufig vorkommender Vorgang bei der Entwicklung von ernsten Ohrerkrankungen, wenn dieser chronisch auftritt.

Im akuten Fall liegt oft gleichzeitig ein Schnupfen oder eine andere Nasenatmungsbehinderung vor.  Schmerzen besteht meist nicht aber ein Druckgefühl und eine leichte Schwerhörigkeit (manchmal kann das Ohr auch mit einem "Knacks" für einige Zeit wieder aufgehen, man empfindet auch oft ein dumpfes Rauschen und kann seinen eigenen Puls hören). Die Behandlung ist meistens erfolgreich, wenn man pflegende - oder besser wirksam - abschwellende Nasentropfen für eine kurze Zeit anwendet. Bleibt diese Störung bestehen wird sich daraus in der Regel ein Paukenerguß entwickeln.

  • Paukenerguß

Folgen Sie bitte diesem Link: Paukenerguß

  • akute Mittelohrentzündung

Diese gehen meist einher mit einem Paukenerguß oder ist die Folge davon, welcher wie o. g. behandelt werden muß, da er mit einer Belüftungsstörung des Mittelohres einhergeht. Zusätzlich besteht eine Infektion und aus dem anfänglichen Unterdruck entsteht ein zunehmender Überdruck im Mittelohr mit Schmerzen, oft auch Fieber, das Trommelfell kann sogar platzen.

Zusätzlich muß daher mit   Antibiotika behandelt werden. Tip: Um diese Ohrenschmerzen von einer Gehörgangsentzündung zu unterscheiden drücken Sie auf den kleinen Hautlappen vor dem Gehörgang. Ist dies schmerzhaft, so handelt es sich meist um eine Gehörgangsentzündung. Bei einer Mittelohrentzündung würde dies keine Zunahme der Schmerzen verursachen. Bei Schmerzen sofort den Arzt aufsuchen.

  • chronische Mittelohrentzündung

Wenn o. g. Beschwerden zu lange oder zu häufig auftreten, wird das Ohr chronisch krank. Es bilden sich Löcher im Trommelfell und oft auch Verwachsungen im Mittelohr mit entsprechender Schwerhörigkeit oder Taubheit. Ursache ist häufig eine langjährige Belüftungsstörung.

Dadurch entsteht dann eine Schalleitungsschwerhörigkeit, welche meist nicht mehr völlig zu beheben ist. Darüber hinaus darf man nicht mehr Schwimmen oder gar Tauchen, man ist anfällig für akute Entzündungen. Kommt eine solche hinzu treten auch Schmerzen und eitriger Ausfluß aus dem Gehörgang vor. Um diese zu Vermeiden, sollte keinerlei Schmutz oder Wasser in die Ohren gelangen. Der operative Verschluß der Löcher im Trommelfell und eine Beseitigung der Verwachsungen im Mittelohr sollte angestrebt werden. Wenn erforderlich können zerstörte Gehörknöchelchen durch eine Prothese ersetzt werden, so daß die auftretende   Schalleitungsschwerhörigkeit auf ein Minimum reduziert wird.

  • Otosklerose:

Über Jahrzehnte führt diese erblich bedingte Erkrankung zu einer zunehmenden Verknöcherung eines oder mehrerer Gehörknöchelchen - hauptsächlich des Steigbügels - und ist somit eine Schalleitungsschwerhörigkeit, die operativ recht gut behandelt werden kann. Wir führen diesen Eingriff nicht durch, die HNO-Klinik der Universität Mannheim (Prof. Hörmann) oder auch das die HNO-Abteilung des Klinikums Ludwigshafen (Prof. Delank) sind in diesem Eingriff routiniert und erfahren.

  • Alters- oder Lärmschwerhörigkeit

Hierbei handelt es sich um eine Störung des Innenohres. Wichtige Sinneszellen sterben ab und sind unwiederbringlich verloren. Ob mit gesundem oder kranken Mittelohr, man hört schlecht. Operation sinnlos. Aber es gibt gute Möglichkeiten, Hörgeräte in vielfältiger Ausführung, kleine und große, im und hinterm Ohr, ja sogar Minicomputer für fast völlig taube, die die noch vorhandenen Nervenzellen direkt Stimulieren. Hörgeräte können übrigens auch bei nicht mehr behandlungsfähiger Erkrankung des Mittelohres verwendet werden (oft in Brillenbügel eingebaut). Warten Sie nicht zu lange mit einem Hörgerät, je älter der Mensch um so schwieriger die Gewöhnung. Warten Sie nicht so lange, bis niemand mehr mit Ihnen reden möchte und Sie sozial isoliert werden, womöglich noch für senil gehalten werden, weil Sie nichts mehr alles gleich verstehen, ein Hörgerät ist auf jeden Fall das kleine Übel wenn die Alternative die Schwerhörigkeit ist. (Nicht umsonst bedeutet "doof" taub auf Niederländisch!!)

So genau will ich's gar nicht wissen, was kann ich tun bis ich beim Arzt bin?

Definition: plötzlich auftretende Hörstörung oder (meist pfeifendes oder zischendes) Ohrensausen ohne eine von außen erkennbare Ursache.

Therapie: Sofortige Diagnostik, Infusionen, Medikamente, Sauerstofftherapie, evtl. Kortison

Was ist ein Hörsturz oder ein akut auftretender Tinnitus?

Hier liegt eine Störung im Bereich des Innenohrs vor. Oft besteht auch ein Ohrensausen. Der Gehörgang und das Trommelfell sind in der Regel unauffällig uns somit gesund. Der Druckausgleich funktioniert, bringt aber keine Besserung des Gehörs, anders als beim Tubenkatarrh. Behandlungen vom Gehörgang aus oder der Nase bzw. Tube sind somit sinnlos und unwirksam. Schmerzen treten so gut wie nie auf, gelegentlich fühlt sich die Ohrmuschel und der Bereich vor dem Gehörgang pelzig oder sensibilitätsgestört an. Oft ist dieses Geschehen begleitet von einem pfeiftonartigen Tinnitus, der in der Regel ebenfalls eine Innenohrstörung darstellt. Auf dem betroffenen (meist nur einem) Ohr, hört man nicht nur schlechter oder auch gar nichts mehr sondern, meist auch dumpfer, irgendwie anders, verzerrt (als wäre eine Lautsprecher kaputt), doppelt wie mit einem Echo, Musik kann falsch gespielt erscheinen (subjektive schiefe Akkorde und andere Dissonanzen), besonders die letztgenannten Symptome lassen ein Innenohrgeschehen vermuten und nicht etwa nur Ohrenschmalz, denn die Beantwortung dieser Frage ist sehr wichtig:

Ohrenschmalz oder Hörsturz?!? Sind Sie Patient von uns oder wollen Sie es evtl. werden? Dann rufen Sie mich im Zweifelsfalle an oder gehen Sie sofort zu einem HNO-Arzt oder -notdienst.

Die Sonne soll nicht auf - nicht untergehen!

Manchmal tritt der Hörsturz mit Frequenzausfällen auf, die das Hören irgendwie komisch erscheinen lassen. Nicht selten wird er begleitet von einem pfeifenden oder zischenden Tinnitus. Erkennt man dies als Durchblutungsstörung ist die Prognose ist eigentlich recht gut, wenn eine potente Behandlung in den ersten 12-24 Stunden erfolgt. Späterer Therapiebeginn ist sehr ungünstig und sollte vermieden werden. Aber auch nach vielen Tagen und Wochen haben wir mit Infusionen - kombiniert mit Magnetfeld oder Sauerstofftherapie (je nach Alter des Patienten) - schon erfreuliche Erfolge verzeichnen können, nicht in der Regel, aber gelegentlich.
 

Welche Ursachen haben im akuten Geschehens der Hörsturz oder Tinnitus?

Sowohl beim neu aufgetretenen Tinnitus als auch beim Hörsturz - ist die endgültige Ursache in der Regel eine drastische Verschlechterung der Sauerstoffversorgung des Innenohres. Der lebensnotwendige Sauerstoff wird als Transportträger an die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) gebunden. Diese fließen manchmal nicht mehr richtig durch die kleinsten Blutgefäße, auch Haargefäße genannt, ja verstopfen diese sogar, denn sie sind im Durchmesser meist ein kleines bißchen größer als diese Haargefäße (Kapillaren). Daher wird der Hörsturz auch manchmal als "Innenohrinfarkt" bezeichnet, diese Bezeichnung stimmt allerdings nur bedingt, hilf aber zur Veranschaulichung der möglichen Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Dicht gepackte rote Blutkörperchen in kaum Flüssigkeit, die den Blutfluß und damit auch die Sauerstoffversorgung nahezu verhindern

Diese Minderung der Innenohrdurchblutung kann durch eine Vielzahl von Faktoren auftreten, einige davon sind:

  •  Zu geringe Flüssigkeitszufuhr

  •  Streßbedingte Gefäßverengung

  •  Infektionen

  •  Extreme Schallereignisse (auch Ohrfeigen oder Küsse auf das Ohr)

  •  Traumen, Schläge, Stürze auf das Ohr

  •  Barotraumen, Störungen des Druckausgleiches im Mittelohr

  • HWS- Verspannungen oder -blockierungen 

  • Arteriosklerose, Gefäßverengungen

  • Neigung zu Thrombosen oder Embolien

  •  Zu hoher Fettgehalt im Blut

  •  Tumoren (meist gutartige) des Hörnerven

  •  Hirnschäden

  •  Sauerstoffmangel u.a.
     

Behandlung des Hörsturzes und Tinnitus im Sinne einer Innenohrschädigung:

Eröffnen oder gar operieren kann man das Innenohr nicht - ohne es zu zerstören! Man kann dem Innenohr daher nur indirekt bei der Selbstheilung helfen, indem man die Sauerstoffzufuhr maximiert. Dazu muß man das Blut möglichst fließfähig machen um die Durchblutung und und damit die Versorgung mit Sauerstoff erhöhen. Diese durchblutungsfördernde (rheologische) Behandlung erfolgt zum einen mit Medikamenten, die die Gefäße erweitern und zusätzlich die roten Blutkörperchen flexibler und damit biegbarer machen damit sie besser durch die schmalen Haargefäße passen (in minder schweren Fällen können auch Tabletten helfen, aber besonders i.v. Infusionen können das Blutvolumen und dessen Fließfähigkeit schnell und nachhaltig verbessern. Zum anderen sollte man dem geschädigten Innenohr die Baustoffe zur Regeneration (Vitamine, Spurenelemente, Radikalfänger, essentielle Öle u.a.) in ausreichenden Mengen zur Verfügung stellen, die die geschädigten Innenohrhaarzellen für eine Regeneration benötigen. Denn mehr als die ideale Voraussetzung zur Selbstheilung kann man dem Innenohr in der Regel nicht bieten.

Nicht zu vergessen als zusätzliche Behandlung ist die nahezu unersetzliche Kortisontherapie! Sie ist mittlerweile ein wichtiger Pfeiler der Innenohrtherapie bei Tinnitus, Hörsturz und Schwindel. Diese sollte sowohl möglichst hochdosiert, aber auch schonend verabreicht werden. Intravenös (über die Venen) - oder auch hochdosiert oral (als Tabletten) nach absteigendem Schema wirkt Kortison sehr gut, aber Diabetiker z.B. sollten diese Maßnahme unbedingt meiden. Daher bieten wir seit 2011 die ITC an, die intratympanale Kortisoninjektion, wobei das Kortison direkt in das Mittelohr injiziert wird und es somit nur dort wirkt wo es hin soll - nämlich am Ohr. Diese Behandlung  sollte 5x durchgeführt werden um Erfolge verzeichnen zu können.

Darüber hinaus sollte man dem Körper ausgiebig Flüssigkeit zuführen, am besten mit Infusionen (Steigerung des intravenösen Flüssigkeitsvolumens), aber notfalls auch durch literweises Trinken (soweit nicht eingeschränkt bedingt durch Herz-, Nieren- oder andere Erkrankungen). Die Infusionen erfolgen dann entweder bei uns oder beim Hausarzt. In leichten Fällen müssen die Kosten der Behandlung selbst übernommen werden, stationär werden diese von den Kassen nur noch bei sehr schweren Fällen übernehmen.

Gut flexible und biegsame rote Blutkörperchen schwimmen in reichlich Flüssigkeit und bringen daher den gebundenen Sauerstoff schnell dahin wo er gebraucht wird

In besonders schweren Fällen, wenn zusätzlich Durchblutungsstörungen im benachbarten, ebenfalls im Innenohr gelegenen, Gleichgewichtsorgan vorhanden sind und zusätzlich Schwindel verursachen (dann zahlt die Krankenkasse weiterhin die effizientere stationäre Behandlung - noch!). Sehr gute Erfahrungen hatten wir auch bezüglich Sauerstoffüberdruckbehandlung (welche allerdings nur noch für Privatpatienten vorbehalten ist und leider bedingt durch unsere Gesundheitsdeform nur noch in Worms zur Verfügung steht -  das HBO-Sauerstoff-Zentrum in Mannheim mußte geschlossen werden, da die Krankenkassen die Kosten für diese hervorragende Behandlung nicht mehr erstatten). Wir haben uns daher nach einer Alternative zur Erhöhung des Sauerstoffgehaltes im Blutes umgesehen und sind auch fündig geworden. Näheres dazu hier.

In einigen Fällen werden Durchblutungsstörungen des Innenohrs durch Störungen der Halswirbelsäule (HWS) ausgelöst. Falls dies der Fall sein könnte, empfehlen wir unbedingt die HWS therapieren zu lassen - ggf. auch unsere neuen SRT auszuprobieren, mit der wir schon erstaunliche Erfolge hatten.


Stationär ist auf alle Fälle empfehlenswert (sofern Ihre Krankenkasse noch mitspielt). Man nennt dies auch psychosoziale Isolation. Besonders wenn familiäre oder berufliche Streßsituationen vorliegen sollte man bei der Kasse anfragen, ob sie einen stationären Aufenthalt nicht doch übernimmt, denn in vielen Fällen bessert sich der Hörsturz durch die Abgeschirmtheit und Ruhe - sogar theoretisch ohne Infusionen (durch Studien nachgewiesen).

 

Inhalationstherapie mit ionisiertem Sauerstoff

 

 

Der störende Tinnitus und der Umgang damit

Im wesentlichen sind die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von akutem Tinnitus (wenn er vom Innenohr her rührt) mit denen des Hörsturzes zu vergleichen, nur daß die Hörzellen noch nicht total ausgefallen sondern nur eine Fehlfunktion aufweisen - Sie hören etwas, was gar nicht da ist! Leider übernehmen die Krankenkassen keine Kosten mehr für die Infusionen, die in den letzten Jahrzehnten vielen Tausenden von Patienten den akuten Tinnitus noch nehmen konnten. Für Verhaltensmaßnahmen bei Tinnitus, den Ihr Arzt mit durchblutungsfördernder Medikation nicht weiter bessern kann - ein austherapierter akuter Tinnitus - der sich auf dem besten Wege zum chronischen Tinntius befindet - klicken Sie bitte auf den folgenden Link:

Tinnitus-Seite bzw. Ohrgeräusche - positiv beeinflussendes Verhalten
(bitte hier klicken)

 

 

Alter und die Schwerhörigkeit - und immer droht das Hörgerät!
oder
Ich würde mir nie ein Hörgerät verordnen lassen, NIE!!
oder
Macht Schwerhörigkeit minder intelligent?

Folgendes Szenarium:

In meiner Praxis erscheint eine Dame mit unschätzbarem Alter, die Haare leicht lila, grellrot überschminkte Lippen, Maskengesicht nach wahrscheinlich mehrfachem Facelifting mit strahlenden, blauen, blitzenden Augen, Modellkleid von vor 60 Jahren mit üppigem, eher nicht originalem, Dekoltee , Brillianten überall, an Ohren, Fingern und auf der Schweizer Luxusuhr: Sie kommt mit Ihrem Enkel, der mir erklärt seine Großmutter habe Ohrenschmerzen.

Ich wende mich der mich freundlich strahlenden Dame zu und frage: "Welches Seite tut denn weh"? Keine Antwort! ich wiederhole die Frage mehrmals, aber außer diesem erwartungsvollen Strahlen bekomme ich keine Antwort. Ich beuge mich weit vor, mit meinem Mund neben Ihrem Ohr frage ich erneut laut "WO TUT ES WEH?". Endlich eine Antwort: "Ach, Herr Doktor, seit 1 Woche habe ich Schmerzen im rechten Ohr, aber es ist schon viel besser - ich weiß gar nicht, was ich hier eigentlich soll".

Ich erkläre der Dame, jetzt in die Ohren hinein zu schauen und dass ich mit dem gesunden Ohr anfange. Kaum fing ich damit an, protestierte die Dame, die offensichtlich erneut nicht mitbekommen hat, was ich ihr sagte: "Nein, nein Herr Doktor, es ist das andere Ohr!". Ich setze an, der Dame zu erklären, dass ich immer erst das gesunde Ohr inspiziere um keine möglicherweise vorliegenden Infektionen vom kranken zu übertragen, merke dann aber schnell, die Dame versteht kein Wort. Sie strahlt mich weiter an und ich merke, sie ist stocktaub.

Unter Protest wird die Patientin zu einem Hörtest überredet: "Wozu, ich höre noch ganz gut!" und später: "Ich höre doch alles was ich will."

Der Hörtest ergab eine an Taubheit hochgradige Schwerhörigkeit, der ca. 20 jährige Enkel gab an, er könne sich kaum daran erinnern, dass ihn seine Großmutter jemals ohne Schreien verstanden habe, oder er ihr jemals vollständig all das hätte sagen können was er wollte. Sie wäre sowieso sehr schwierig, fühlt sich immer schnell zurückgesetzt oder übergangen, auch könne man sie gar nicht mehr alleine lassen, und schon gar nicht aus dem Haus, sie wäre schon zig- Mal beinahe überfahren worden, weil sie nichts höre und auch einfache Zusammenhänge könne man ihr auch schreiend kaum noch begreiflich machen. Sie lebe hauptsächlich in der Vergangenheit, würde sich 3x am Tag umziehen, wie zu der Zeit, als sie noch der großen Gesellschaft angehörte. Jetzt wolle keiner mehr etwas mit ihr zu tun haben, weil man mit ihr kein vernünftiges Gespräch mehr führen könne, sie rede über Verstorbene so als würden sie noch immer leben und eigentlich meist mit sich selbst. Schwerhörige selbst haben mit ihrer Hörstörung in der Regel die geringsten Probleme - sie wissen ja nicht, was ihnen entgeht, sie wissen nicht, was sie alles NICHT hören!

Der Enkel erklärte mir entkräftet, dass sie seit vielen Jahren rigoros den Gebrauch eines Hörgerätes ablehne, sie brauche so ein verunstaltendes Gerät nicht, alle anderen müssten nur deutlicher reden und nicht immer so nuscheln. Jetzt wäre es aber endlich an der Zeit! Keiner in der Familie halte dieses ewige Schreien noch aus. Dieser Frau etwas begreiflich zu machen sei mittlerweile fast unmöglich geworden, egal was man sage, sie strahle einen nur mit Ihren Augen an.

Solche Skurrilitäten sind in meiner Praxis nicht selten. Eitle Menschen bewegen Unsummen von Geld für Schmuck, Kleidung, Styling, Schönheitsoperationen und andere Äußerlichkeiten und vergessen dabei, dass das Einzige worauf man wirklich in seinem Leben stolz sein kann der Charakter eines Menschen ist, evtl. noch sein Wissen und seine Erfahrung. Diese Frau mit lila Haaren hielt Ihr ganze Leben lang Hörgeräte für ein Ding für andere. Im "Gespräch" mit ihr, musste ich unwillkürlich daran denken, wie interessant diese hübsche ältere Dame wohl mal war und heute noch hätte sein können. Aber vor mir saß nur eine hübsche, aber leider fast leere Hülle des Menschen, der sie hätte sein können, wenn sie von Anfang an verhindert hätte, dass ihr Hörzentrum und somit ihr Geist degeneriert und sie außer zu Lächeln, Strahlen und zu allem Nicken - zu nichts Komplexeren mehr fähig ist, abgesehen von den Dingen, die sie von ganz früher schon konnte. Trotz Aufklärung hört man immer wieder: "Mit so etwas im Ohr gehe ich doch nicht unter die Leute!" 

Das Entsetzen war groß, als ich dem Enkel und dem mittlerweile ebenfalls eingetroffenen Sohn erklären musste, dass ein Hörgerät jetzt leider auch nicht mehr viel bringen wird .... man war entsetzt. Aber wenn die entsprechenden Hirnareale, die für Sprachverständnis zuständig sind, erstmal ihre Aktivität eingestellt haben, nützt auch das beste und teuerste Hörgerät nichts mehr. Und solche Menschen behaupten dann letztendlich auch zurecht: "Mit dem dummen Ding höre ich ja auch nicht besser". Denn kein Mensch hört mit den Ohren, wir hören alle nur mit dem Hirn! Die Ohren sind nur die ausgelagerten Mikrofone.

Unsere ausgeprägte Intelligenz unterscheidet uns als Hauptmerkmal von den Tieren. Und die basiert hauptsächlich auf unserer hoch entwickelten Sprache. Wenn man aber keine Sprache mehr versteht, werden Teile unseres Gehirns nicht mehr genutzt, die direkten Einfluss auf unsere Intelligenz haben. Das Gehirnareal "wird faul", habe ich den Patienten immer erklärt, mittlerweile weiß man, dass im Alter diese Funktion tatsächlich signifikant verkümmert. Wenn man wirklich eitel ist und etwas mehr auf sich achten möchte, dann aber doch hauptsächlich hinsichtlich seiner Persönlichkeit, die man schützen und agil halten sollte, indem man sich bei beginnender relevanten Schwerhörigkeit rechtzeitig vom HNO-Arzt eine Hörhilfe verordnen lässt ....... und sie AUCH BENUTZT!

Die Eitelkeit bezüglich Äußerlichkeiten, mit Styling, Diamanten und Design - und ja kein Hörgerät, oh Gott, nein, wäre das beschämend, ja erniedrigend, ..... diese Einstellung führt zu sozial und kommunikativ inkompetenten Menschen, deren Intelligenz schwindet wie Butter in der Sonne und deren Äußerlichkeiten das einzige ist was ihnen noch bleibt - ein Zustand fern dem eines zufriedenen Lebensabends in der Gemeinschaft der Familie oder Freunde. Und das hat weder etwas mit Senilität noch mit Alzheimer zu tun - und man könnte diesen beklagenswerten Zustand ganz einfach verhindern - durch rechtzeitiges Tragen eines Hörgerätes .....

Eine neue französische Studie von 2015 bestätigt endlich dass, was ich schon lange vermutete. Wissenschaftler der Universität Bordeaux fanden  heraus (sie untersuchten regelmäßig 25 Jahre lang 3.670 Personen im Alter von über 65 Jahre), dass bei Schwerhörigen die kognitiven Funktionen signifikant mit dem Schweregrad der Schwerhörigkeit sinken, und zwar unabhängig vom Alter, Geschlecht und Bildung. Und der Clou der Untersuchung: Bei schwerhörigen Patienten, die ein Hörgerät trugen, konnte bezüglich des mentalen Abbaus keinerlei Unterschied festgestellt werden zwischen Gleichaltrigen mit Normalgehör!!

Quelle: Hélène Amieva PhD*, Camille Ouvrard MSc, Caroline Giulioli MSc, Céline Meillon MSc, Laetitia Rullier PhD andJean-François Dartigues MD, PhDJournal of the American Geriatrics Society, Volume 63, Issue 10, pages 2099–2104, October 2015: Self-reported hearing loss is associated with accelerated cognitive decline in older adults.

Was daraus zu folgern ist überlasse ich jedem geschätzten Leser selbst.

 

Noch ein kleiner Exkurs:

Was glauben Sie ist schlimmer? Taubheit oder Blindheit?

Viele würden im ersten Moment sagen:

"Ganz klar, blind sein ist schlimmer als taub sein!"

Doch man irrt sich da vielleicht. Logisch, beides ist furchtbar und ändert das Leben völlig. Aber bedenken Sie folgendes:

Viele Lebewesen können sehen. Menschen, Tiere, selbst Pflanzenhaben eine Art Lichtsinn. Das Sehen unterscheidet uns nicht von den Tieren, sondern hauptsächlich die Art des Umgang mit unseren Mitmenschen, sei es in emotionaler, sozialer oder religiöser Hinsicht.

All dies könnten wir kaum noch ausüben, sollten wir ertauben. Wie auch, wenn keine Gespräche mehr mit Partner, Eltern oder Kindern möglich wären, wenn wir nicht mehr telefonieren könnten oder keine Musik mehr hören könnten. Gut, Autofahren und Zeitung lesen könnte man als Ertaubter noch, und einige wenige vielleicht auch Lippenlesen, aber das Verstehen wird schlecht sein. Häufiges Nachfragen und Mißverständnisse bringen den Ertaubten schnell in den Ruf der angeblichen Dummheit. Akustische Verständnisstörungen und verstandesmäßige Verständnisstörungen sind für den Außenstehenden kaum zu unterscheiden, das niederländische Wort "doof" bedeutet im Deutschen nicht umsonst "taub" oder "ertaubt" !

Ihr Gehör ist wichtiger als Sie vielleicht denken, also achten Sie Ihr Gehör, schon ab dem Säuglingsalter um eine gute Sprachentwicklung  zu ermöglichen, meiden Sie extrem laute Musik, Schießen oder Explosionen und lassen Sie bei plötzlichen Hörminderungen oder -störungen nicht mehr als 12 Stunden verstreichen, bis Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn Sie uns brauchen - lassen Sie von sich hören

Ihr Praxisteam Dr. Riemann

 

Für das Download des HNO- Skripts für unsere Schwesternschülerinnen und -schüler bitte mit der
HNO-Praxis Dr. Riemann in Verbindung setzen :-)

 

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